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  • AutorenbildDavid

Leder-Workshop bei Medusa Leatherart

Am Wochenende 15.06./16.06. hatte ich das große Vergnügen, eine "Veranstaltung" zu besuchen, auf die ich mich schon lange gefreut habe und die sehr lange auf meiner Bukett-List stand: Ein Workshop bei einer sehr bekannten Leder-Handwerkerin und -Künstlerin, Lea Wagner. Der Ort des Geschehens war Barsinghausen, in Niedersachsen. Von Unterfranken klar ein ganzes Stück, nutzte ich den abflauenden Berufsverkehr, um am Freitag schon hochzufahren. Meine gebuchte Ferienwohnung, modern und gepflegt, lag nur wenige 4-Reifen-Minuten vom Seminarort entfernt.


Überraschenderweise handelte es sich bei der Adresse um ein Privathaus. Wie sich herausstellte, sollte eine geräumige Garage die nächsten Tage unsere Werkstatt werden


Ich war früh vor Ort, so hatte ich bereits zeit, mich etwas mit Lea zu unterhalten. Meine ersten Kontaktaufnahmen zu ihr waren, bis auf die letzte, im Sand verlaufen. Der Hintergrund war offenbar, dass einer ihrer wichtigsten Kommunikationskanäle gehakt worden war. Aktuell ja leider keine Seltenheit.





Unsere 6 Arbeitsplätze waren bereits aufgebaut, mit allerhand Werkzeug ausgestattet, unter anderem einem sehr schön gefertigten Gewicht zur Beschwerung unserer Vorlagen.



Nachdem alle eingetroffen waren, startete Lea nicht mit ewig langen Erklärungen sondern es ging sehr schnell los. Sie führte praktisch nur aus, welche Arten von Messern im Lederbereich Verwendung finden. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, als Sie erklärte, wieso sie trotzdem häufig ein Cutter-Messer benutzt. Schön war, dass wir auch auf Schneidetechniken eingingen, den gerade das Thema der senkrecht geraden Kanten ist immer mal wieder ein Thema.


Ergänzen zu dem Thema mit den Klingen erklärte man uns zudem, wie man die Schärfe der Klingen länger bewahrt. Da ich bisher Klingen recht früh abgebrochen habe, kam es einer Erleuchtung gleich, das man die Klingen auch, wenn sie nicht mehr gut schneiden, wieder richten kann. Das spart nicht nur Geld und schont Ressourcen, es sieht auch cool aus. Das kann ich vor allem auch jedem empfehlen, der Schäume verarbeitet. Bei EVA sage ich selbst immer, dass das Material „Klingen frisst“, da die Schneiden nach 50cm schon nicht mehr so scharf sind, nach spätestens 2-3m schon merklich stumpf.



Dann ging es ans Ausschneiden der bereits markierten Lederteile, wir würden alle von der Form her die gleiche Tasche bauen. Sorgfältig ausschneiden dauert seine Zeit. Ich versuchte mich an einer neuen Schneidetechnik und war trotzdem vor jedem anderen fertig. So richtig Pro. Aber das sollte erst der Anfang sein…



Im nächsten Schritt ging es schon um das Punzieren. Jeder suchte sich einen oder mehrere zusammenpassende Punzierstempel aus. Lea erklärte uns die Grundlagen der „Bewässerung“ des Leders und wie man mit den vegetabil gegerbten Ledern umgehen muss. Während der Musterpunzierung erklärte sie auch, wie wir Muster passend platzieren, also Abstände mit den Stempeln ausgleichen oder auch kaschieren. Damit hatte ich mich vorher wenig auseinandergesetzt. Unter Ghosting hatte ich bisher nur das vollständige Ignorieren von Nachrichten durch ein andere Person verstanden. Ich durfte jetzt lernen, dass man das leichte Andrücken von Stempeln zur Abschätzung der richtigen Platzierung auch so nennt.


Durch die Unterhaltungen, denen ich neben dem konzentrierten Arbeiten gefolgt war, hatte sich herausgestellt, dass von 8 Teilnehmern 6 LARP-Spieler anwesend waren. Kleine Welt. Komischerweise mit gleichen Interessen. Und natürlich mssten wir uns begeistert über diverse Themen wie Veranstaltungen oder Klamotten-Gestaltung austauschen.


Auch erfuhr ich, dass mein Punzierhammer für die richtige Punziertechnik einfach viel zu schwer ist. Lea beantwortete die Fragen nach Details zur Werkzeugbenutzung sehr ausfürhlich und mir wurde klar, wie wenig Werkzeug man tatsächlich für die Lederbearbeitung benötigt, wenn man sich etwas auskennt. Zu dem Zeitpunkt, als ich mit der Lederbearbeitung gestartet habe, war es für mich am schwierigsten, zu verstehen, welche der vielen Werkzeuge für was genau benötigt wird. Und mir wurde langsam klar, dass Videos der amerikanischen Lederverarbeiter vielleicht doch ein sehr anderes Bild der Lederbearbeitung zeichneten, als dieser Kurs. Hier lernte wir eher historisch in Europa angesiedelte Methoden.



Das Thema Punzieren war aber noch nicht abgehakt: Wir würden auch Motive frei punzieren. Auf Grund meiner hohen Arbeitsauslastung der vergangenen Wochen hatte ich kein eigenes Motiv mitgebracht und entschied mich, das schwierigste zu punzieren, was Lea mitgebracht hatte: Eine Motte.


Lea unterstütze jeden einzelnen mit seinem Motiv, da diese sehr unterschiedlichen Einsatz der Punzierstempel verlangten. Jeder von uns stand auch beim Arbeiten mal auf, um die Arbeit der anderen Teilnehmer zu studieren. Auch wenn die Gruppe vom Vorwissen sehr unterschiedlich aufgestellt war, zeichnete sich ab, dass der ein oder Neuling ein Talent besitzt.


Meine Motte nahm währenddessen Gestalt an. Als besonders herausfordernd stellten sich die „plüschigen“ Stellen der Motte heraus, ich arbeitete hochkonzentriert an eine möglichst originalgetreuen Darstellung, wobei mir Lea die genaue Verwendung der Stempel erklärte.





Die Themen nahmen mit der zu leistenden Arbeit soviel Raum ein, dass der 1. Tag fast schon vorüber war. Ein unfassbar kritisches Thema hatten wir aber noch vor uns. Ein Thema, was mich in der Vergangenheit viel Nerven und Lehrgeld gekostet hatte:


Färben.



Und so kam es, wie es kommen musste: Es war alles viel einfacher, wenn man die richtigen Handgriffe in der richtigen Reihenfolge kennt.


„Trust the Process“ war unser Leitspruch, denn nicht jede Farbe konnte direkt nach dem Auftragen überzeugen. Gerade die wasserbasierte Farbe, für die ich mich entschieden hatte, sah nach dem 2. Auftrag katastrophal aus. Aber ich war entschlossen, ein für alle Mal die Tricks zu lernen und machte auch haarklein Notizen. Nur um dann gesagt zu bekommen: „Das sieht bei den Farben häufig so aus, lass das mal einfach trocknen.“


Geduld ist nicht meine stärkste Charaktereigenschaft aber siehe da, in der warmen Nachmittagssonne trocknete der hässliche Fleck doch noch zu einem schönen Farbübergang aus. Schöner Abschluss, für den 1. Tag.



Zweiter Tag. Zugegeben war ich noch etwas groggy vom 1. Tag, denn neue Handgriffe erfordern extrem viel Konzentration. Und natürlich wollte ich auch soviel Infos in mich aufsaugen, wie möglich. Mein Ziel des Workshop war es, meine Produktqualität auf eine noch höhere Ebene bringen zu können, ohne dafür viel mehr Zeit investieren zu müssen. Deshalb war mein Selbstanspruch auch entsprechend hoch und ich war gespannt, was noch kommen Würde. Schließlich war ja eigentlich NUR noch das Nähen übrig. DACHTE ich…


Wir starteten den 2. Tag mit den Schattierung der Vertiefungen. Und wieder war ich verblüfft, wie wenig Antique man benötigte, für einen wirklich tollen Effekt. So langsam dämmerte es mir: Die ein oder andere Youtube-Werbesendung zielte darauf ab, dass möglichst viel Verbrauchsmaterial gekauft wird. Lea zeigte uns eindrucksvoll, mit welchen Methoden Unmengen an Farbe und auch Antique gespart werden kann.


Das ist nicht nur gut für den Geldbeutel, aus Erfahrung kann ich eins sagen: Desto geringer der Farbeinsatz in der Werkstatt (oder, bei Hobbyisten, im ESSZIMMER), desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer unsäglichen Sauerei. Die Teile sehen besser aus und natürlich kann sich auch das Isopropanol sparen, weil man die Farbflecken auf Boden, Wänden und Decke nicht entfernen muss.



Der Beginn des Zusammenbaus drehte sich um die Verwendung von Hohlnieten und Vollnieten aus Kupfer. Gerade das setzen der letzteren war ein Spaß und das Ergebnis spricht für sich. Wir fertigten noch die Langlöcher an, dann klebten wir die ersten Teile zum Nähen zusammen.



Beim Nähen bekamen wir eine klassische Sattlernaht zu sehen, der Einfachheit halber mit einem Prickeisen (stanzt Löcher) vorbereitet, dann beim eigentlichen Nähen mit der Stechahle durchgestochen. Die Art des historisch korrekten Nähens war mir komplett neu. Die Gleichzeitige Handhabung von zwei Nadeln und der Stechahle will gelernt sein, dementsprechend langsam kam ich voran. Aber stets entschlossen, mein Muskelgedächtnis zu trainieren, um irgendwann in Leder-Walhalla aufgenommen zu werden… oder so ähnlich.


Als sehr herausfordernd stellte sich das korrekte Nähen des Riemens heraus: Zum einen gab es dabei viel zu beachten, zum anderen fiel mir die Konzentration mittlerweile schwer, da wir schon wieder seit 6 Stunden am arbeiten waren. Die Mittagspause fiel eher kurz aus, da ich beim Essen noch Fragen stellen und mich aufschlauen wollte.


Und just in dem Moment, als man dachte, dass es kein Ende nähen… ehm… nehmen will, war die Tasche fertig.



Müde und immer noch begeistert fachsimpelten wir noch einen Moment über unsere Designs, tauschten Nummern aus und machte uns alle an die Heimfahrt.


Fazit

Absolut brillante Erfahrung, die ich definitiv ausbauen möchte!


Ich habe lange gebraucht, um mich zu einem Workshop anzumelden. Grundsätzlich muss man erstmal einen Zugang zu einer Community haben oder sich schon etwas auskennen. Ich hatte die Wahl zwischen diversen Kursen bei deutschen Online-Shops, entschied mich dann aber letzten Endes doch für einen Kurs bei Lea Wagner, da ich ihren Stil toll fand und das herzustellende Produkt im Workshop den meinen entspricht.


Im Nachgang betrachtet hätte ich den Kurs früher machen können. Gerade am Anfang benötigt man viel Hilfestellung, was Werkzeug und Handgriffe angeht und da ist ein Kurs einfach ein super Abkürzung, um sehr viel Zeit und einiges an Geld zu sparen.


Viele Equipment, was in Shops verkauft wird, ist schlichtweg unnötig oder nur für sehr speziellen Einsatz wirklich sinnvoll. Wichtig ist nur zu wissen, wie welches Werkzeug ersetzt werden kann und welchen günstigen Grundmaterialien man verwenden kann. Und das werde ich euch künftig näher bringen!


Dank dir fürs Lesen und deine wertvolle Zeit! Wenn dir der Artikel gefallen hat, lass mir doch gerne ein Like da und einen Kommentar, was dir gefallen hat an dem Artikel.


David



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